Vom Nutzen innerer Bilder / Atelierbesuch Karin Camara in Lapitz
Von Detlef Stapf

Lapitz. Wer Karin Camara, die in Lapitz (Müritzkreis) lebt, beim Zeichnen vor der mecklenburgischen Landschaft über die Schulter schaut, bemerkt ihren Blick für das Wesentliche. Schnell hat sie die wenigen Linien auf den Karton gebracht, die das Bild gliedern und sich nur dem geschulten Auge sofort offenbaren. Die 36-Jährige verfügt über keine akademische Ausbildung. Sie sah weder in ihrem erlernten Beruf als Baufacharbeiter (mit Abitur) noch in einem geplanten Architekturstudium eine befriedigende Berufsperspek-tive.

Seit Mitte der 90er Jahre hat sie mit ihrem Talent eine eigene künstlerische Existenz begründet. Und das mit einigem Erfolg. 1996 wurde die Autodidaktin Mitglied im Künstlerbund Mecklenburg-Vorpommern und auch kurze Zeit später Vorstandsmitglied.
Bei all dem, was sie sich an solidem Handwerk angeeignet hat, schöpft die Malerin aus „den Bildern einer inneren Harmonie mit der Welt“. Wo sich bei anderen Kreativität am ehesten in einem Prozess egozen-trischer Isolation entfaltet, bekommt Karin Camara ihre Impulse aus der Öffnung zu anderen Menschen. Die „inneren Bilder“ prägen auch die monothematische Ikonografie ihrer Arbeiten. Etwa die Form eines Bootes, die als Gefäß, Vogelschwinge, gespannter Bogen oder Reisemetapher herhalten kann. Sie wähne sich damit den synkretischen Urformen der Kunst nahe. Das sei ihr besonders bewusst geworden, als sie 2003 längere Zeit in Afrika weilte. In Guineas Hauptstadt Conakry heiratete die gebürtige Neubrandenburgerin ihren schwarzafrikanischen Mann, den sie in Berlin kennen gelernt hatte. Die erdigen Farben sowie schlichte und reduzierte Formen, das flimmernde, alles durchdringende Licht des Kontinents, die offen liegende Seele der Menschen gaben ihr ein Reservoir von Anregungen, aus denen sie heute noch schöpfen kann und eine eigenständige Werkgruppe entstand.
Ein neues Gebiet, die informelle Malerei, hat sich die Mecklenburgerin als Mitglied der weltweiten Internet-Vereinigung abstrakt malender Künstler „Pintura Fresca“ erschlossen. Die Mitglieder der Community pflegen ein gemeinsames Kunstverständnis und unterstützen einander bei der Suche nach Ausstellungs- und Verkaufsmöglichkeiten. Camara selbst arbeitet derzeit an Lackbildern mit farbigen, kalligrafisch anmutenden Strukturen auf großen Metalltafeln, die Anklang bei einem Singapurer Galeristen finden.
Kunst begreift Camara auch und für sich vordergründig als intuitive Selbst- und Welterkenntnis. Sie bemüht für ihre These gern den brasilianischen Bestsellerautor und „Alchimisten der Sprache“ Paulo Coelho, der sagen lässt: „…es gibt eine Sprache, die jenseits der Worte steht…wenn ich diese Sprache ohne Worte zu entziffern lerne, dann gelingt es mir auch, die Welt zu entziffern…“ Das, so meint sie, sei nicht nur originell formuliert, sondern beschreibe auch eine erlernbare und so weiter zu gebende Kulturtechnik.





Die Künstlerin hat daraus eine berufliche Tätigkeit gemacht, der sie einen beträchtlichen Teil ihrer Arbeitszeit widmet. Man könnte die Frau als eine Art Creativ-Scout bezeichnen. Sie hilft – neben gewöhnlichen Mal- und Zeichenkursen- jungen Leuten, über die kreative Beschäftigung den richtigen Berufseinstieg zu finden. Wer dazu bei Karin Camara Stunden bucht, ist beispiels-weise für seine Studienwahl unent-schlossen, ob er lieber Grafikdesign, Jura oder Mathematik belegen sollte. Diese höchst praktische Dienst-leistung könnte am Ende jedoch erbringen, dass der Aspirant auf Grund seiner kreativen Anlagen am besten so etwas wie Landschaftsgestalter oder Kunsttischler werden könnte.

Karin Camaras eigene Möglichkeiten sind jeden-falls breit angelegt. Mit ihrem Haus auf dem Lande in Lapitz hat sie sich einen Kindertraum erfüllt und alles mit dem eigenen Handwerker-geschick hergerichtet.

Infos über Telefon

03962 211510 oder 01705127442

www.camara-art.de