Vom Nutzen innerer Bilder / Atelierbesuch Karin Camara in Lapitz
Von Detlef Stapf
Seit Mitte der 90er Jahre hat sie mit ihrem Talent eine eigene künstlerische Existenz begründet. Und das mit einigem Erfolg. 1996 wurde die Autodidaktin Mitglied im Künstlerbund Mecklenburg-Vorpommern und auch kurze Zeit später Vorstandsmitglied.
Bei all dem, was sie sich an solidem Handwerk angeeignet hat, schöpft die Malerin aus „den Bildern einer inneren Harmonie mit der Welt“. Wo sich bei anderen Kreativität am ehesten in einem Prozess egozen-trischer Isolation entfaltet, bekommt Karin Camara ihre Impulse aus der Öffnung zu anderen Menschen. Die „inneren Bilder“ prägen auch die monothematische Ikonografie ihrer Arbeiten. Etwa die Form eines Bootes, die als Gefäß, Vogelschwinge, gespannter Bogen oder Reisemetapher herhalten kann. Sie wähne sich damit den synkretischen Urformen der Kunst nahe. Das sei ihr besonders bewusst geworden, als sie 2003 längere Zeit in Afrika weilte. In Guineas Hauptstadt Conakry heiratete die gebürtige Neubrandenburgerin ihren schwarzafrikanischen Mann, den sie in Berlin kennen gelernt hatte. Die erdigen Farben sowie schlichte und reduzierte Formen, das flimmernde, alles durchdringende Licht des Kontinents, die offen liegende Seele der Menschen gaben ihr ein Reservoir von Anregungen, aus denen sie heute noch schöpfen kann und eine eigenständige Werkgruppe entstand.
Ein neues Gebiet, die informelle Malerei, hat sich die Mecklenburgerin als Mitglied der weltweiten Internet-Vereinigung abstrakt malender Künstler „Pintura Fresca“ erschlossen. Die Mitglieder der Community pflegen ein gemeinsames Kunstverständnis und unterstützen einander bei der Suche nach Ausstellungs- und Verkaufsmöglichkeiten. Camara selbst arbeitet derzeit an Lackbildern mit farbigen, kalligrafisch anmutenden Strukturen auf großen Metalltafeln, die Anklang bei einem Singapurer Galeristen finden.
Kunst begreift Camara auch und für sich vordergründig als intuitive Selbst- und Welterkenntnis. Sie bemüht für ihre These gern den brasilianischen Bestsellerautor und „Alchimisten der Sprache“ Paulo Coelho, der sagen lässt: „…es gibt eine Sprache, die jenseits der Worte steht…wenn ich diese Sprache ohne Worte zu entziffern lerne, dann gelingt es mir auch, die Welt zu entziffern…“ Das, so meint sie, sei nicht nur originell formuliert, sondern beschreibe auch eine erlernbare und so weiter zu gebende Kulturtechnik.